Version für den Drucker .doc

Wilhelm Bracke ( 1842 - 1880 )

Leben und Wirken

(Eine sehr kurze Zusammenfassung)

(Quelle: Bernd Rother: Wilhelm Bracke... Braunschweig 1984,S.68ff, sowie die 3.Ausgabe von Frieder Schöbel...2005, teilweise gekürzt, selten verändert oder ergänzt)


29.Mai 1842: Wilhelm Bracke wird in Braunschweig als Sohn einer Kaufmannsfamilie geboren.

1848

(Das Kommunistische Manifest von Karl Marx und Friedrich Engels erscheint.

Erste deutsche Nationalversammlung in Frankfurt /Main (Paulskirche).

Gründung der ersten deutschen Arbeiterorganisation „Allgemeine deutsche Arbeiterverbrüderung“.)


Bracke besucht die Volksschule, das Realgymnasium (Martino-Katharineum) bis zur 11. Klasse und tritt nach einer Banklehre in die 1856 begründete väterliche Mehl- und Kornhandlung in Braunschweig, Hintern Brüdern 9, ein. Daneben nimmt er an historischen Vorlesungen am Collegium Carolinum (heutige Technische Universität) teil.


1855

(Verbot der Arbeitervereine Braunschweig und Helmstedt.)


1860 September

Bracke gründet den Braunschweiger Männerturnverein (MTV) mit.


1861

Bracke tritt dem Nationalverein bei und gründet die Burschenschaft Germania mit.


1862

(Otto von Bismarck wird preußischer Ministerpräsident (bis 1890).

 

1863

23. Mai : Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV) durch Ferdinand Lassalle in Leipzig.


1864

(28.September: Gründung der Internationalen Arbeiterassoziation (IAA) unter Beteiligung von Karl Marx und Friedrich Engels in London.)


1865

6. September:

Bracke gründet nach Bekanntschaft mit Lassalles Schriften eine Gemeinde des ADAV in Braunschweig. Bracke wird Bevollmächtigter.

30. November / 1. Dezember: Bracke wird auf der Generalversammlung des ADAV in Frankfurt/Main in den Vorstand gewählt.


1866

(Bebel und Liebknecht gründen die Sächsische Volkspartei.)

Ab Sommer 1866 und im Jahre 1867 stehen im Mittelpunkt des politischen Wirkens von Bracke die Arbeit für die nationale Einigung Deutschlands sowie die Agitation für das allgemeine und gleiche Wahlrecht.

12. Juli : Bracke steht zusammen mit dem Schneidergesellen Heinrich Schomburg zum ersten Male vor Gericht. Das Herzogliche Kreisgericht Braunschweig verurteilt sie wegen Aufreizung (= Aufforderung) zur Widersetzlichkeit gegen die Staatsanwaltschaft zu 14 Tagen Gefängnis (in der Revision aufgehoben) Konkreter Anlass ist eine Rede, in der Bracke sich am 23. April 1866 für das Koalitionsrecht der Arbeiter eingesetzt und die Polizeiwillkür angeprangert hat. Das Urteil wird allerdings in der nächsten Instanz wieder aufgehoben.


1867

Mai : Durch Marx Schriften angeregt, bildet sich in Braunschweig eine Sektion der 1. Internationale. Bracke wird Mitglied der Internationalen Arbeiterassoziation.

19./20.Mai: Generalversammlung des ADAV in Braunschweig. Johann Baptist von Schweitzer wird als Präsident gewählt.

Sommer 1867: Bracke wird Kassierer des ADAV.

14. September: Das Kapital von Karl Marx erscheint. Bracke beginnt mit dem Studium des Marx´schen Werkes und veröffentlicht zwei Aufsätze über Lohnarbeit und Kapital . Von nun an widmet sich Bracke der Verbreitung der Erkenntnisse des Kapitals in Deutschland.

 

1868

19. Juli : Bracke spricht auf einer Volksversammlung in der Asse, an der etwa 10.000 Menschen teilnehmen.


1869

25.Januar: Bracke heiratet Emilie Walter, Tochter eines Zimmerermeisters aus Eschershausen.

7.-9. August : Eisenacher Kongress. Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP). Bracke und seine Braunschweiger Freunde werden als Mitglied des Parteiausschusses (= Bundesvorstand) gewählt, der seinen Sitz in Braunschweig-Wolfenbüttel bekommt.

4. September : Gründung des Sozialdemokratischen Arbeitervereins in Braunschweig. Bracke unterstützt den Baseler Beschluss der IAA vom September, der besagt, dass es notwendig sei, Grund und Boden in Gemeineigentum zu überführen.

Anfang Oktober: Bracke besucht Karl Marx in Hannover.

11. November: Beginn des Briefwechsels zwischen Bracke und Marx.

 

1870

23. März : Beginn der Korrespondenz Brackes mit Friedrich Engels.

9. September : Verhaftung des Braunschweiger Parteiausschusses mit Bracke wegen der Haltung zum Krieg mit Frankreich und für Demokratie in Deutschland. Verschleppung in die Festung Boyen bei Lötzen (Ostpreußen).


1871

(18. Januar : Kaiserproklamation in Versailles. Gründung des Deutschen Reiches mit der Führungsmacht Preußen.)

30. März : Bracke wird nach fast sieben Monaten aus dem Gefängnis entlassen.

4. April : Verbot des Sozialdemokratischen Arbeitervereins in Braunschweig.

15. Mai : Die erste Nummer des von Bracke gegründeten Braunschweiger Volksfreunds erscheint. Bracke gründet seinen Verlag W. Bracke jr. Braunschweig, Neue Straße 23.

 

1872

Bracke veröffentlicht sein Buch „Der Braunschweiger Ausschuss der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Lötzen und vor dem Gericht“. Ausschluss Brackes aus dem Männerturnverein.

November : Bracke wird in der 3. Wählerklasse in 2 Wahlbezirken Braunschweigs als Stadtverordneter gewählt.


1873

Februar : Gründung des Demokratischen Wahlvereins in Braunschweig. Bracke wird 2. Vorsitzender.


1874

Bracke gibt den Volks-Kalender speziell zur Gewinnung bäuerlicher Schichten für die Sozialdemokratie heraus.

2. November : Bracke wird zum 1. Vorsitzenden des Demokratischen Wahlvereins gewählt.


1875

März : Bracke wendet sich entschieden gegen den Gothaer Programmentwurf der SDAP und tritt mit Bebel in Verbindung.

25. März : Bracke teilt Engels seine Meinung über den Programmentwurf mit: „Die Annahme dieses Programms ist für mich unmöglich“. Er kritisiert das Abweichen von marxistischen Grundpositionen und das Zurückweichen vor Auffassungen der Lassalleaner.

5. Mai : Marx sendet seine Kritik des Gothaer Programms an Wilhelm Bracke zur Weiterleitung an Geib, Auer, Liebknecht und Bebel. Bis Ende Oktober dauert der Briefwechsel Brackes mit Marx und Engels über das Gothaer Programm an.

22.-27. Mai : Vereinigungskongress des ADAV (Lassalleaner) und der SDAP (Marxisten) zur Sozialistischen Arbeiterpartei in Gotha.

Ende Juni: Bracke bezeichnet das verabschiedete Gothaer Programm als „wirklich schlecht“.

19.- 23. August : Parteikongress in Gotha. Brackes Schrift „Nieder mit den Sozialdemoktaten“ erreicht eine enorme Auflage und wird in viele Sprachen übersetzt.


1877

4. Januar : Bracke erreicht bei der Reichstagswahl erstmals in Braunschweig-Stadt die Mehrheit für die Sozialdemokratie.

22.Februar : Bracke wird in der Nachwahl im sächsischen Wahlkreis Glauchau-Meerane in den Reichstag gewählt.

August : Bracke fährt zur Kur nach Bad Ems.


1878

11.Mai/2. Juni : Attentate auf den Kaiser, für die fälschlicherweise die Sozialdemokratie verantwortlich gemacht wird

11. Juni : Auflösung des Reichstags. Bracke veröffentlicht seine Wahlschrift „Hütet Euch vor den 300 Millionen neuen Steuern“.

30. Juli : Reichstagswahlen. Bracke wird im Wahlkreis Glauchau-Meerane wiedergewählt.

17. September : Bracke nimmt in einer großen Rede vor dem Reichstag gegen das Sozialistengesetz Stellung.

11. Oktober : Bracke erklärt im Reichstag: „... wir pfeifen etwas auf das ganze Gesetz“.

19. Oktober : Zustimmung der Reichstagsmehrheit zum Sozialistengesetz. Nur die Reichstagsfraktion der SDAP kann noch legal arbeiten. Die Braunschweiger Getreidehändler in der Getreide- und Produktenbörse erklären, die Börsenversammlung nicht mehr zu besuchen, in der das Oberhaupt der Sozialdemokratie, Wilhelm Bracke, den Vorsitz führt.

Ende Oktober: Verbot des Demokratischen Wahlvereins, des Braunschweiger Volksfreunds und der wichtigsten Verlagspublikationen Brackes bis 1. 10. 1890. Der Volksfreund hatte von 1871 bis 1878 hohe Straf- und Prozesskosten zahlen müssen; fast zwei Drittel davon wurden durch Spenden der Braunschweiger Arbeiter aufgebracht.


1879

Februar : Bracke ist schwer erkrankt.

August : Bracke fährt zur Kur nach Baden-Baden.

27. Oktober : Bracke erklärt sich in seinem letzten Brief an Marx gegen Versuche, die Partei von der marxistischen Grundlage weg zu bewegen.

 

1880

11. April : "Der Sozialdemokrat" veröffentlicht eine Erklärung Brackes, in der dieser seine volle Übereinstimmung mit Bebel und Liebknecht und dem illegalen Parteiorgan erklärt.

27. April : Bracke stirbt an den Folgen eines schweren Blutsturzes in Braunschweig.

2. Mai : 30.000 bis 40.000 Menschen geben Bracke das letzte Geleit. (Braunschweig hatte damals ca. 60.000 Einwohner.)


Drei Jahre nach Wilhelm Brackes Tod starb sein Vater. Das Geschäft war verschuldet. Wilhelm Bracke hatte der Arbeiterbewegung sein Vermögen geopfert, in den Volksfreund und den Verlag investiert.


K.C.

Version für den Drucker .doc

 

Version für Linux zum Ausdruck .sxw